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Rechnungs­legungsstandards Schweiz

Internationale und nationale Standards im Überblick – Swiss GAAP FER, IFRS und US GAAP richtig einordnen.

17.08.2023 von Rodolfo Intaglietta
Letzte Aktualisierung: 22.08.2026
Information
Fortgeschritten
7 Min

Key Facts zu diesem Artikel

Kurz-Zusammenfassung

Rechnungslegungsstandards schaffen Transparenz, Vergleichbarkeit und Verlässlichkeit in der Finanzberichterstattung. In der Schweiz kommen sowohl nationale als auch internationale Standards zum Einsatz.

Je nach Unternehmensgrösse, Börsennotierung und internationaler Ausrichtung gelten unterschiedliche Anforderungen. Dieser Beitrag gibt einen strukturierten Überblick über die relevanten Rechnungslegungsstandards in der Schweiz und deren praktische Bedeutung.

Was Sie hier lernen:

  • Welche Rechnungslegungsstandards in der Schweiz relevant sind (OR, Swiss GAAP FER, IFRS, US GAAP)
  • Welche Rolle das Obligationenrecht als Mindeststandard spielt
  • Worin sich Swiss GAAP FER, IFRS und US GAAP in Zielsetzung und Anwendung unterscheiden
  • Für welche Unternehmenssituationen welcher Standard typischerweise sinnvoll ist
  • Warum Standards die Vergleichbarkeit für Stakeholder und Investoren erhöhen

Voraussetzungen

Fortgeschrittenes Wissen

Benötigte Tools:

  • Aktuelle Buchhaltungs- und Abschlussdaten (Jahresrechnung)
  • Kenntnisse der Anforderungen nach Obligationenrecht (OR)
  • Regelwerke/Leitlinien zu Swiss GAAP FER, IFRS oder US GAAP
  • Dokumentation der angewendeten Rechnungslegungsgrundsätze
  • Fachliche Unterstützung durch Treuhand/Revision bei Standardfragen

Aktualisiert am 22. August 2026. Geprüft wurden die Anforderungen des Obligationenrechts an einen Abschluss nach anerkanntem Standard sowie die Liste der anerkannten Standards. Geändert hat sich seit der Erstveröffentlichung nichts an der Rechtslage. Ergänzt wurde die vollständige Aufzählung nach Art. 1 der Verordnung über die anerkannten Standards zur Rechnungslegung — neben Swiss GAAP FER, IFRS und US GAAP zählen auch IFRS for SMEs und IPSAS dazu; für Banken und Wertpapierhäuser sind die Rechnungslegungsvorschriften der FINMA gleichgestellt. Unverändert gültig sind: das Obligationenrecht als Mindeststandard, die Pflichtfälle nach Art. 962 OR, die Vorgabe, den gewählten Standard in seiner Gesamtheit anzuwenden, sowie die Einordnung der Standards nach Unternehmensgrösse und Anspruchsgruppen.

Bedeutung des Rechnungslegungs­standards in der Schweiz

In der modernen Geschäftswelt spielen Rechnungslegungsvorschriften eine entscheidende Rolle für die Transparenz und Vergleichbarkeit von Finanzdaten. Rechnungslegungsstandards definieren, wie Unternehmen ihre Finanzberichte erstellen und präsentieren. Sie schaffen eine gemeinsame Grundlage für die Beurteilung der finanziellen Lage durch Stakeholder, Investoren, Kreditgeber sowie durch die Geschäftsleitung.

 

Obligationenrecht

Das Obligationenrecht (OR) gibt vor, welche Unternehmen neben der gesetzlich regulären Jahresrechnung zusätzlich einen Abschluss nach einem anerkannten Standard erstellen müssen (Art. 962 OR). Einen solchen zusätzlichen Abschluss erstellen müssen Gesellschaften mit börsenkotierten Beteiligungspapieren, sofern die Börse dies verlangt, Genossenschaften mit mindestens 2000 Genossenschaftern sowie Stiftungen mit ordentlicher Revisionspflicht. Verlangen können ihn zudem Gesellschafter, die mindestens 20 Prozent des Grundkapitals vertreten, 10 Prozent der Genossenschafter oder 20 Prozent der Vereinsmitglieder. Rechnungslegungsstandards enthalten detailliertere Anforderungen an die Jahresrechnung als das OR. Der Bundesrat bezeichnet in der Verordnung über die anerkannten Standards zur Rechnungslegung (VASR) fünf Regelwerke als anerkannte Standards: IFRS, IFRS for SMEs, Swiss GAAP FER, US GAAP und IPSAS. Für Banken und Wertpapierhäuser sind zudem die Rechnungslegungsvorschriften der FINMA gleichgestellt.

 

Swiss GAAP FER

Swiss GAAP FER ist ein Schweizer Rechnungslegungsstandard. Er eignet sich für kleine bis mittlere Schweizer Firmen mit nationalem Tätigkeitsbereich. Ziel ist es, in vereinfachter Form ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage eines Unternehmens aufzuzeigen. Durch den modularen Aufbau können auch KMU einen Jahresabschluss nach einem Standard erstellen, ohne einen unverhältnismässig hohen Aufwand zu betreiben.

 

International Financial Reporting Standards (IFRS)

Die IFRS sind international anerkannte Rechnungslegungsstandards, welche vom International Accounting Standards Board (IASB) herausgegeben werden. Obwohl in der Schweiz nicht gesetzlich vorgeschrieben, nutzen viele Schweizer Unternehmen IFRS für ihre Jahresabschlüsse. IFRS Accounting Standards sind umfassender als Swiss GAAP FER.

 

US GAAP

Die United States Generally Accepted Accounting Principles (US GAAP) sind ein Beispiel für Rechnungslegungsstandards der Vereinigten Staaten. Unternehmen, die an US-Börsen gelistet sind, müssen sich diesen Standards verpflichten.

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Häufige Fragen zu Rechnungslegungsstandards

 

Ab wann muss ein Schweizer Unternehmen nach einem anerkannten Standard abschliessen?

Nach Art. 962 OR sind dies Gesellschaften mit börsenkotierten Beteiligungspapieren, sofern die Börse es verlangt, Genossenschaften ab 2000 Mitgliedern und Stiftungen mit ordentlicher Revisionspflicht. Auch qualifizierte Minderheiten können einen solchen Abschluss verlangen.

Welche Standards sind in der Schweiz anerkannt?

Die VASR nennt fünf: IFRS, IFRS for SMEs, Swiss GAAP FER, US GAAP und IPSAS. Für Banken und Wertpapierhäuser sind die Rechnungslegungsvorschriften der FINMA gleichgestellt.

Was ist der Unterschied zwischen Swiss GAAP FER und IFRS?

Swiss GAAP FER ist auf Schweizer Verhältnisse zugeschnitten und modular aufgebaut. IFRS ist umfassender und auf internationale Vergleichbarkeit ausgelegt.

Ersetzt ein anerkannter Standard die Jahresrechnung nach OR?

Nein. Der Abschluss nach anerkanntem Standard kommt zusätzlich zur Jahresrechnung nach Obligationenrecht hinzu.

Muss der gewählte Standard vollständig angewendet werden?

Ja. Der gewählte Standard ist in seiner Gesamtheit und für die gesamte Jahresrechnung zu übernehmen (Art. 962a OR).

Key Takeaways

  • Das Obligationenrecht (OR) definiert die Mindestanforderungen an die Jahresrechnung.
  • Anerkannte Rechnungslegungsstandards ergänzen das OR mit detaillierteren Vorgaben.
  • Swiss GAAP FER eignet sich häufig für KMU mit Fokus auf den Schweizer Markt.
  • IFRS dient vor allem der internationalen Vergleichbarkeit und ist umfangreicher als FER.
  • US GAAP ist primär relevant für Unternehmen mit US-Börsenbezug.
  • Die Wahl des Standards hängt von Grösse, Struktur und Anspruchsgruppen ab.

Rechnungslegungsstandards tragen wesentlich zur Integrität und Transparenz der Finanzberichterstattung in der Schweiz bei. Sie ermöglichen Unternehmen, Investoren und weiteren Anspruchsgruppen ein besseres Verständnis der wirtschaftlichen Lage und fördern das Vertrauen in die Finanzinformationen.

Die Vielfalt der Standards spiegelt unterschiedliche Anforderungen nach Unternehmensgrösse, Marktumfeld und internationaler Ausrichtung wider und zeigt, dass eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit den geltenden Vorgaben wichtig bleibt.

 

Quellen

  1. Schweizerische Eidgenossenschaft. (2020, 1. Januar). Verordnung über die anerkannten Standards zur Rechnungslegung (VASR, SR 221.432), Art. 1. Abgerufen am 22. August 2026, von fedlex.admin.ch
  2. Schweizerische Eidgenossenschaft. (2026, 1. Januar). Obligationenrecht (OR, SR 220), Art. 962 und 962a. Abgerufen am 22. August 2026, von fedlex.admin.ch
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Autor

Rodolfo Intaglietta

Rodolfo Intaglietta ist Gründer und Geschäftsführer der ONE! Treuhand GmbH. Als Treuhänder mit eidg. Fachausweis sowie diplomierter Experte in Rechnungslegung und Controlling begleitet er Unternehmerinnen und Unternehmer in der ganzen Schweiz mit klaren Zahlen, digitalen Prozessen und persönlicher Beratung auf Augenhöhe.

Der Abschluss „eidg. diplomierter Experte in Rechnungslegung und Controlling“ entspricht dem Qualifikationsniveau NQR 8 und liegt damit auf dem höchsten Bildungsniveau – vergleichbar mit einem Doktorat in Bezug auf fachliche Tiefe und Verantwortung.